Cordt Schnibben: „Die Leser ändern sich schneller als wir“

Cordt_Schnibben_Thomas_Hestermann11062015sarah_akbari

Spiegel-Redakteur Cordt Schnibben (l.) im Gespräch mit Macromedia-Professor Dr. Thomas Hestermann. Foto: Macromedia/Sarah Akbari

Cordt Schnibben, Redakteur des Spiegel-Ressorts Gesellschaft, war der Einladung von Macromedia-Professor Dr. Thomas Hestermann gefolgt und zu Gast am Campus Hamburg. Beim Medientalk sprach er über „Abo-Nomaden“, neue Wege des Journalismus und darüber, wie er diese Wege ebnen will.

Blaues Karohemd, dunkles Oberteil und schwarz-beige gemusterte Brille – so ist Cordt Schnibben auf dem Plakat zu sehen, das seinen Besuch in der Hochschule Macromedia in Hamburg ankündigt. Dazu der Schriftzug: „Knast, wenn du lügst“ – ein Zitat des am 28. Februar 2015 erschienenen Artikels des SPIEGEL-Redakteurs, einem selbstkritischen Beitrag über das Verhältnis der Journalisten zu ihren Lesern. Über 1000 Leserinnen und Leser reagierten online auf diesen Beitrag. Schnibben geht mit ruhigen Schritten an dem Plakat vorbei und präsentiert die jüngsten und dramatischen Entwicklungen des Journalismus: „Die Leser ändern sich schneller als wir“. Der Redakteur vergleicht die veränderte Zeitungsauflage der vergangenen Jahre in Schaubildern und wirft einen kritischen Blick auf  die Entstehung von „Abo-Nomaden“. Gemeint sind Leser, die ein Abo nur aufgrund der Prämie unterstützen.

„Massenleser gibt es nicht mehr“

Der mit zahlreichen Journalistenpreisen geehrte Reporter erzählt von seiner Ausbildung an der Henri-Nannen-Schule im zweiten Anlauf und erklärt, wie das Internet das Lesen und die Printmedien verändert. „Massenleser gibt es nicht mehr“, sagt er. Überzeugt davon, dass der Leser mehr als ein zahlender Kunde ist, appelliert Schnibben auch an das Publikum: „Wir müssen journalistisch umdenken.“

„Journalist zu sein, ist nach wie vor ein großartiger Beruf“

Auf die kritischen Nachfragen des Moderators, Professor Dr. Thomas Hestermann, reagiert Schnibben – ganz Medienprofi – gelassen; er antwortet ausführlich, nimmt sich Zeit für jede Frage. „Journalist zu sein, ist nach wie vor ein großartiger Beruf“, steht für Schnibben fest. Nicht nur bei seinem Macromedia-Besuch zeigt der Journalist viel Gesicht: Auch für seine Leserinnen und Leser möchte Schnibben ansprechbar sein. Aus über tausend Zuschriften zu seinem Artikel, lud er erstmals 100 Leser aus über 1000 Interessenten zum sogenannten „Lesedinner“. Sein Fazit: „Man kann jammern, oder man kann die Chance nutzen, die Leser anders anzusprechen.“

Friederike Hoppe, Kulturjournalismus-Studentin

Facebook Like

Comments are closed.