Macromedia-Professor Hestermann: Gewaltberichterstattung hat Folgen

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Macromedia-Professor Dr. Thomas Hestermann beim Deutschen Präventionstag: Spektakuläre Verbrechen lösen Stürme der Empörung aus. Foto: Macromedia

Fernsehberichte über Gewaltkriminialität lösen Emotionen aus und treiben die Politik. Doch die Berichterstattung zeichnet ein verzerrtes Bild. Macromedia-Professor Dr. Thomas Hestermann stellte jetzt die Ergebnisse zehnjähriger Forschungsarbeit beim Deutschen Präventionstag in Frankfurt/Main vor.

„Bei Ergreifung sofort hinrichten!“, fordert ein Zuschauer auf der Facebook-Seite von RTL nach dem Mord an einem achtjährigen Mädchen. Ein anderer fragt: „Wann gehen wir endlich hart gegen das perverse Pack vor???“ Und als ein Tatverdächtiger gefasst wird, kursiert per Facebook der Aufruf, das Polizeirevier zu stürmen. Wie sich später herausstellt, ist der Verdächtige unschuldig ins Visier geraten.

Drastische Gewalt wird besonders fokussiert, Massendelikte wie Körperverletzungen sind kaum Thema. Das Fernsehen zeigt vor allem weibliche Opfer, obwohl rund 60 Prozent aller Gewaltopfer männlich sind. Furcht und Empathie treiben die Quote, so vermuten die dazu befragten Programmverantwortlichen. In der Folge lösen spektakuläre Verbrechen regelmäßig Stürme in den sozialen Netzen aus und treiben die Politik zu irrationalem Handeln.

Zur Bildung von Stereotypen forscht Journalistik-Professor Dr. Thomas Hestermann seit mehr als zehn Jahren. Jetzt stellte er die Ergebnisse der jüngsten Programmanalyse 2014 beim Deutschen Präventionstag in Frankfurt/Main vor. Dabei kamen mehr als 3000 Fachleute aus Justiz, Polizei, Politik und Sozialarbeit zusammen.

33 Studierende der Hochschule Macromedia an den Campus Hamburg und Berlin hatten in ihren Forschungsseminaren 414 Sendungen der reichweitenstärksten TV-Nachrichten und Boulevardmagazine gesichtet, insgesamt 127 Stunden, 23 Minuten und 57 Sekunden. „Ohne die engagierte Arbeit dieser Studierenden, zu sichten, zu verschriftlichen und zu codieren, wäre dieses Forschungsprojekt nicht möglich gewesen“, so Hestermann. (th)

Link: http://www.praeventionstag.de/

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