Abschuss: ein Paparazzo zwischen Markt und Moral

Paparazzo

Der Paparazzo auf der Lauer – mit einer Papptüte getarnt. Foto: privat

Eben haben noch Hamburger Macromedia-Studierende im Seminar Medienwirtschaftsethik zum Thema Paparazzi präsentiert, haben das Spannungsfeld zwischen Medienfreiheit und Persönlichkeitsrechten in der Theorie beleuchtet – und dann steht er vor ihnen: Der Bildjäger Marcus Möller. Der davon erzählt, wie er Prominente abschießt.

„Es ist ein erfüllender Beruf“, sagt Möller*, zwischen Jagdfieber und Triumph. Und schildert, wie er stundenlang in einem Gebüsch oder hinter Mauern ausharrt. Bis er zu einem Abschuss kommt, der ihm Zehntausende von Euro für ein einziges Foto einbringen kann. Praxisbericht auf Einladung von Journalistik-Professor Dr. Thomas Hestermann.

Möller amüsiert sich über dreiste Kollegen wie jenen Fotografen, der Herbert Grönemeyer am Londoner Flughafen dicht auf den Fersen blieb und von dem zornigen Musiker und Schauspieler niedergeschlagen wurde. „Wenn ich arbeite, kriegen das die Prominenten überhaupt nicht mit.“ Meistens nicht. Als ihn der Sänger Seal, damals noch mit Heidi Klum liiert, in einem Gebüsch entdeckte, konnte Möller nur mit knapper Not unbeschadet entfliehen.

Der Bremer Paparazzo hat eine große Zahl von Prominenten aus Deutschland und Hollywood vor die Linse bekommen. Stars wie Tom Cruise, dem er bei Dreharbeiten so nahe kam, dass er die Telefonnummern aus dessen Mobiltelefon abfotografieren konnte. Wieviel Geld ihm seine Fotos einbringen, wollen die Studierenden von Möller wissen. Das Foto, das Tennislegende Boris Becker beim Knutschen mit einer Geliebten in einem Nobelrestaurant zeigte, sei einen Mittelklassewagen wert gewesen.

„Sieht man die Prominenten noch als Menschen oder nur als lebende Dollarzeichen?“ Die Frage der Studentin Nele Paulsen sitzt, Möller muss nachdenken. „Manche tun mir leid“, räumt der Paparazzo ein. „Aber sie gehen nun mal in die Öffentlichkeit. Die Geschichten sind geil, und sie sind ja wirklich passiert.“ Schlimm sei, wenn Zeitschriften zu seinen Fotos erfundene Geschichten präsentierten. „Das macht mir Bauchschmerzen.“

Journalistik-Professor Dr. Thomas Hestermann fragt Möller, wie er es mit dem Kategorischen Imperativ von Immanuel Kant halte – der Regel also, dass sich jeder so verhalten solle, wie er es von allen anderen erwarte. Diesem Imperativ würde er wohl nicht gerecht, sagt Möller. Fotos etwa von seiner kleinen Tochter würde er auf keinen Fall zulassen. „Aber ich bin ja auch kein Promi.“

Der Markt der Bilderjäger ist härter geworden, seit Stars selber intime Fotos von sich in den sozialen Netzwerken veröffentlichen und so genannte Leserreporter zu Konkurrenten geworden sind. Und sein Beruf sei strapaziös, erklärt der Paparazzo. „Wenn du tagelang auf der Lauer liegst, siehst du Gardinen sich bewegen, die sich nicht wirklich bewegen. Da fühlst du dich dem Wahnsinn nahe!“ (th)

* = Name geändert

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